Die Burg Wolfsegg

DIE ANFÄNGE
Wenngleich der Bereich der heutigen Gemeinde Wolfsegg schon im frühen Mittelalter erschlossen gewesen sein dürfte, beginnt die überlieferte Geschichte erst im 14. Jahrhundert und ist aufs Engste mit der Burg verbunden. Im Jahr 1351 schenkt ein Wolf von Wolfseck (vermutlich Wolfhart) zusammen mit seiner Frau Osanna der Pfarrei Kallmünz einen Eimer Wein jährlich zu Ostern. Die Burg dürfte zu Beginn des Jahrhunderts von seinem Vater Bruno Wolf von Schönleiten gegründet worden sein. Allerdings zieht sich, neuesten dendrochronologischen Untersuchungen zufolge, der Bau bis etwa zur Jahrhundertmitte hin. 1358 werden Margaretha und Katharina, wohl die Töchter des mittlerweile verstorbenen Bruno von Herzog Ludwig V. von Bayern mit der Burg belehnt. Wolfhart wird nicht mehr erwähnt, vermutlich ist auch er schon nicht mehr am Leben.

VOM HERRSCHAFTS- ZUM VERWALTUNGSSITZ
1367 kaufen die Herren von Laaber Burg und Herrschaft Wolfsegg. Vermutlich nach einem Brand wird die Anlage teilweise erneuert und weiter ausgebaut. Die Wolfsegg bleibt im Besitz der Familie bis zu deren Erlöschen im Jahr 1475. In den nächsten 100 Jahren wechselt die Burg mehrmals den Besitzer. Wie schon unter den Herren von Laaber wird sie zeitweise von Pflegern verwaltet. Die Burgherren selbst wohnen meist nicht auf Dauer in Wolfsegg. Erst unter den Thumern wird in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts auf der Burg wieder in größerem Umfang gebaut. 

BEDEUTUNGSLOSIGKEIT UND SCHLEICHENDER VERFALL
Im 18. Jahrhundert hat die Burg ihre Bedeutung als Herrschaftssitz fast vollständig eingebüßt. Sie bleibt jedoch Verwaltungsstandort und wird zu diesem Zweck unterhalten. Mitte des 19. Jahrhunderts fällt schließlich auch diese Funktion weg. 1886 schenken die Grafen von Oberndorff die nun nicht mehr benötigte Burg der Gemeinde Wolfsegg. Fand die Anlage unter den Oberndorffern noch Verwendung als Sitz des Försters, wird sie nun zunächst Schulhaus und später in kleinere Wohneinheiten aufgeteilt. Notwendige Investitionen in den Unterhalt bleiben aus.

DIE WENDE
Erst 1933 wendet sich das Blatt. Georg Rauchenberger, nachmaliger Bezirksheimatpfleger, kauft die Burg und bewahrt sie damit vor dem weiteren Verfall. Mit großem persönlichem Einsatz beginnt er mit Sicherungsarbeiten. Es flogen erste Restaurierungsmaßnahmen und die museale Nutzung der Anlage. 1970 gründet er das Kuratorium Burg Wolfsegg e. V., deren Mitglieder seitdem für den Erhalt der Burg und den Museumsbetrieb Sorge tragen. So konnte die Kernburg 1986-1989 von Grund auf in Stand gesetzt und die Ausstellung 2016-2019 neu konzipiert werden. Die Burg Wolfsegg entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten – nicht zuletzt mit Unterstützung der Weißen Frau – zu einem beliebten Ausflugsziel. Heute ist sie ein Markenzeichen der Region und der Wolfsegger Burgsommer eine feste Größe im Kulturkalender.

BESCHREIBUNG
Die Burg Wolfsegg thront auf einem Dolomitfelsen mitten im Ort. Der hochaufragende, dreigeschossige Wohnbau, der sich anschießende halbrunde Mauerturm und die hohe Mauer des Burghofes gehen noch auf das 14. Jahrhundert zurück. Das zweite Obergeschoss des Wohnbaus wurde Anfang des 15. Jahrhunderts erneuert. Im "Rittersaal" haben sich Reste von Wandmalereien aus dieser Zeit erhalten. Die Gewölbe im ersten Obergeschoss zeugen von der Bautätigkeit der Thumer im 16. Jahrhundert, ebenso der hofseitge Treppenturm. Die Reste eines zweiten Mauerringes lassen sich von der Burggasse aus noch gut erkennen. Seine Türme sind jetzt zu originellen Wohnhäusern umgebaut. Eine Besonderheit der Burg Wolfsegg ist sicherlich das ausgedehnte Höhlensystem im Burgfelsen.

BURGKAPELLE UND PFARRKIRCHE
Auf einer Felsterrasse etwas unterhalb der Burg liegt die Burgkapelle St. Laurentius. Der schlichte Rechteckbau mit dreiseitigem Chorschluss stammt wie die Burg selbst aus dem 14. Jahrhundert. An seiner Nordwand ist noch der, jetzt vermauerte, Zugang zur ehemaligen Herrschaftsempore zu erkennen. 1935 wird schließlich der Bau einer neuen Kirche in Angriff genommen. Sie soll den Ansprüchen besser genügen als die kleine und in die Jahre gekommene Burgkapelle. Schon im darauffolgenden Jahr konnte Christkönig geweiht werden. Der großzügige Kirchenbau ist innen wie außen in ruhigen, neuromanischen Formen gehalten und fügt sich trotz seiner späten Entstehungszeit harmonisch in das gewachsene Ortsbild ein.

TEXT: WOLFGANG SÖLLNER